Hier findest Du einen Film über die letzte Ausstellung in Koblenz Blumenfarbentanzzeiten im TV-Mittelrhein

Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen -was sollen mir die Punkte sagen?     - Reinhild Mackowiak

Taucht der Betrachter in die figurative Bilderwelt von Maike Kloss ein, so erschließt sich ihm eine farbige, üppige, strahlende, dichte Welt von Märchen, Träumen und Phantasien, thematisch auch inspiriert von persönlichen Begegnungen und realen Erlebnissen. Die dargestellten Wesen sind umgeben von überbordender Vegetation, verharren in unbestimmten Räumen sowie in bisweilen „inneren“ Landschaften. Die Figuren verschmelzen förmlich in und mit ihrem Umraum. Dabei geht Maike Kloss so weit, dass das Ornament sich über die gesamte Bildfläche ausdehnt. Köpfe, Hände und Arme nehmen sich in ihrer Körperlichkeit stark zurück. Charakteristisch für ihre Malerei sind Flächigkeit, Fragmentierung, Verdichtung und ornamentale Abstraktion, die die besondere, bisweilen atmosphärisch ambivalente Stimmung der Bilder erzeugen. Die Dargestellten wirken merkwürdig entrückt; ihre Gesten, Handlungen und Mimik lassen sich nicht eindeutig bestimmen. Im Gegensatz zum stark akzentuierten Ornament wirken Köpfe, Gesichter, Arme, Hände, Beine und Füße in der Farbgebung sehr reduziert. Die Gesichtszüge sind durch Einsatz von Zeichnung mit wenigen Linien festgelegt und stehen in eigenartigem Kontrast zum Körper, der durch flächiges Ornament definiert ist. Persönliche Beobachtungen, die Maike Kloss im Freundes- und Bekanntenkreis macht, regen sie zur bildnerischen Wiedergabe an. Seit einiger Zeit fließen Textzeilen aus der Lyrik von Paul Celan, Hermann Hesse, Gioconda Belli, Ingeborg Bachmann und anderen in ihre Werke ein. Bild und Text ergänzen sich dabei, eröffnen dem Betrachter weitere inhaltliche Dimensionen,  steigern aber auch die formalen Qualitäten der gesamten Bildkomposition.

Mit dem Tango hat sich Maike Kloss einen neuen Themenbereich erschlossen, der ihr Interesse an Bewegungsformen und Bewegungsabläufen zeigt. Zunächst werden die Tanzenden beim Tango skizziert, danach im Atelier die figürlichen Details mit malerischen Mitteln zu neuen Gruppierungen und Ausschnitten zusammengesetzt. Die Räumlichkeiten, in denen sich die Bewegungen und die Begegnungen der Paare ereignen, unterstreichen wirkungsvoll das Geschehen: Die Tanzenden sind zu einem dichten Gefüge verflochten, bisweilen bleibt der Raum nicht näher definiert; die Hintergrundpaare verleihen ihm Tiefe, die Spannung erzeugt. Für diese Momentaufnahmen fügt Maike Kloss unterschiedliche Bewegungsrichtungen, Drehungen, Überschneidungen und Fragmentierungen des Motivs zusammen. Die Flüchtigkeit und Dynamik der Bewegungen lässt subtil rhythmisierte Gruppenbilder entstehen.

Kunsthistorisch steht diese Malerei in berühmter Tradition des Expressionismus, des Impressionismus und des Jugendstils. Die expressive Geste und der weitgehende Verzicht auf die Lokalfarbe verweisen auf den Expressionismus. Dem Impressionismus entlehnt sie Figurenkonstellationen ähnlich denen Manets. Ihre Tanzbilder erinnern an die Modernität bei Degas. Die Brüchigkeit der Figur sowie der unkonventionelle Einsatz des Ornaments lassen an Jugendstilkünstler denken. Wie diese geht Maike Kloss von einem positiven Menschenbild aus. Leuchtend kräftige und höchst nuancierte Farben sowie der zeichnerische Duktus beherrschen diese Malerei. Die Summe aller von Maike Kloss verwendeten gestalterischen Mittelcharakterisiert ihre künstlerische Eigenwilligkeit. Maike Kloss setzt sich in ihrer Kunst mit existentiell menschlichen Themen auseinander: Das Flüchtige, das Statische, das Brüchige, Vergänglichkeit und Trauer begegnen dem Betrachter in all seinen Facetten. 

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